Licht sehen lernen

Licht sehen lerneN
Licht sehen lernen – die wichtigste Fähigkeit, die kein Automatikmodus ersetzt
„Die Kamera macht keine schlechten Fotos – sie gehorcht nur dem Licht.“
(Und das Licht ist manchmal launischer als ein Teenager vor dem ersten Kaffee.)
Hier kannst du lesen, wie man Licht sehen lernen kann.
Warum Licht wichtiger ist als jede Kamera
Du kannst mit einem 2.000-Euro-Objektiv ein langweiliges Foto machen – aber mit gutem Licht selbst mit dem Handy etwas Magisches.
Licht ist das wahre Gestaltungsmittel in der Fotografie. Es modelliert dein Motiv, betont Formen, erzeugt Tiefe und bestimmt die Stimmung.
Wenn du das Licht sehen lernen richtig nutzt, brauchst du keine Spezialeffekte und keine teure Nachbearbeitung.
Oder kurz gesagt:
Nicht das Motiv ist entscheidend – sondern wie das Licht es küsst. 😄


Hart oder weich – Lichtarten verstehen
Hartes Licht
- Kommt direkt von der Sonne oder einer nackten Lampe
- Erzeugt scharfe Schatten und hohe Kontraste
- Wirkt dramatisch, kantig, „ehrlich“
- Perfekt für Architektur, Street und Schwarzweiß
Aber Vorsicht bei Porträts – hartes Licht zeigt jede Falte. (Manche nennen das „Charakter“, andere löschen es in Lightroom 😅)
Weiches Licht
- Entsteht durch Wolken, Reflexionen oder Fensterlicht
- Sanfte Schatten, gleichmäßige Helligkeit
- Ideal für Porträts, Stillleben und Foodfotografie
- Lässt Haut, Oberflächen und Farben angenehmer wirken
Übung: Hartes vs. weiches Licht selbst erleben
Ziel: Verstehen, wie sich Lichtqualität auf Schatten, Stimmung und Struktur auswirkt – ganz ohne Studio oder Spezialausrüstung.
Du brauchst:
- Eine kleine Lampe oder Taschenlampe (zur Not das Handylicht)
- Einen neutralen Gegenstand – z. B. eine Tasse, ein Apfel oder eine Figur
- Ein weißes Blatt Papier oder ein Stück Stoff (als Diffusor)
- Deine Kamera oder dein Smartphone
☀️ Schritt 1: Hartes Licht
- Stelle deinen Gegenstand auf eine helle Fläche.
- Richte die Lampe direkt auf das Motiv – ohne Hindernis dazwischen.
- Mach ein Foto.
👉 Achte auf die klaren, harten Schatten und die hohen Kontraste. - Schau dir das Bild an und notiere, was dir auffällt:
- Wie wirkt die Stimmung?
- Wie deutlich ist die Oberflächenstruktur?
- Wie stark ist der Schattenrand?
☁️ Schritt 2: Weiches Licht
- Lege jetzt ein weißes Blatt Papier oder dünnen Stoff zwischen Lampe und Motiv.
(Das ist dein „Wolkenschleier“ 😉) - Mach wieder ein Foto – gleiche Position, gleiche Kameraeinstellungen.
- Vergleiche:
- Schatten weicher?
- Farben natürlicher?
- Motiv ruhiger oder angenehmer?
💡 Schritt 3: Reflexion entdecken
Wenn du magst, halte zusätzlich ein zweites weißes Blatt auf der gegenüberliegenden Seite des Lichts.
→ Du wirst sehen, dass auch Reflexionen Licht weicher machen können.
Fazit der Übung
„Weiches Licht schmeichelt, hartes Licht erzählt Geschichten.“
Beide Lichtarten sind wertvoll – es kommt nur darauf an, was du ausdrücken willst.
Wer das einmal mit eigenen Augen erlebt hat, versteht sofort, warum Fotografen ständig vom „guten Licht“ reden.
Licht-Richtung: dein geheimer Bildaufbau-Trick
Wie das Licht auf dein Motiv trifft, verändert alles.
Stell dir deine Lichtquelle wie eine „zweite Kamera“ vor – sie bestimmt, was sichtbar wird und was verschwindet.
Lichtrichtung | Wirkung | Tipp |
Frontlicht | gleichmäßig, aber flach | Gut für technische Aufnahmen |
Seitenlicht | modelliert, betont Formen | Ideal für Strukturen und Porträts |
Gegenlicht | erzeugt Silhouetten & Glüheffekte | Super für Stimmung & Emotion |
Toplight | macht Augenringe | Besser für Produkte als für Menschen 😅 |
Mini-Übung:
Stell eine Banane (oder ein Ei) auf den Tisch und bewege eine Lampe drumherum. Du wirst staunen, wie sich Form und Stimmung verändern – ganz ohne Kamera.
Tageszeiten und Lichtstimmungen
Tageszeit | Lichtcharakter | Stimmung | Beste Motive |
Goldene Stunde | warm, weich | romantisch, lebendig | Porträts, Landschaft |
Mittagszeit | hart, neutral | klar, kontrastreich | Architektur, Street |
Blaue Stunde | kühl, gedämpft | ruhig, melancholisch | Nacht, Stadtlichter |
Übung: Licht sehen statt messen
- Such dir ein einfaches Motiv – zum Beispiel eine Tasse, ein Buch oder eine Pflanze auf dem Fensterbrett.
- Fotografiere es morgens, mittags und abends, immer aus dem gleichen Blickwinkel.
- Schau dir die Aufnahmen an: Wie verändert sich die Stimmung? Wo ist das Licht weich, wo hart?
- Und dann:
Zeig deine Bilder Familie, Freunden oder Bekannten – und besprecht sie gemeinsam.
Frag, welches Bild gefällt euch am besten – und warum?
Du wirst überrascht sein, wie unterschiedlich Menschen Licht wahrnehmen.
💬 Ziel der Übung:
Nicht „die besten Fotos“ machen – sondern Licht bewusst erleben.
Das Auge lernt dabei schneller als jede Kameraautomatik.
Fazit
Wenn du lernst, das Licht zu sehen, brauchst du weniger Photoshop, weniger Ausrüstung – aber bekommst mehr Atmosphäre.
Das ist der Punkt, an dem Technik auf Gefühl trifft.
Kurz gesagt:
- Das Auge fotografiert – die Kamera bestätigt.
- Gutes Licht ist keine Glückssache, sondern Übungssache.
- Wer Licht versteht, macht mit jedem Gerät gute Fotos.
Und jetzt du:
Schau dich mal um – wo fällt gerade das schönste Licht ein?
Wenn du das siehst, bevor du die Kamera hebst, bist du schon auf dem richtigen Weg.
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